Kurzbiographie - Dietrich Bonhoeffer

Dietrich Bonhoeffer war ein außergewöhnlicher Mann. Im "Dritten Reich" übte er nicht nur passiven, sondern auch aktiven Widerstand aus. Als Theologieprofessor versuchte er "seine Kirche" zu verwirklichen, indem er 1933 zusammen mit einigen anderen aus der "gleichgeschalteten" Staatskirche austrat und die "Bekennende Kirche" (staatsunabhängig) gründete. 1940 rückte Bonhoeffer in den politischen Widerstand und begann konspirative Tätigkeiten als Kurier in der "Abwehr". 1943 wurde er verhaftet, einen Monat vor Ende des Krieges wurde er im KZ Flossenbürg am 9.4.1945 umgebracht.
 

Als Sohn einer wohlhabenden, gutbürgerlichen Familie wird Dietrich Bonhoeffer am 4.2.1906 in Breslau geboren. Er hat eine schöne und aussichtsreiche Kindheit, die heftigst unterbrochen wird vom Ausbruch des 1. Weltkriegs. Denn gegen Ende des Krieges spürt auch die Familie Bonhoeffer die Auswirkungen des Kriegs. 1923 macht Bonhoeffer sein Abitur und beginnt ein Theologiestudium in Tübingen. 1924 hat er seinen ersten Studienaufenthalt in Rom; im selben Jahr beginnt er in Berlin sein Studium fortzuführen. 1928 macht Bonhoeffer sein erstes theologisches Examen und übernimmt ein Vikariat in Barcelona. Sein zweites Examen schafft er dann 1930. Im September desselben Jahres hat er einen Studienaufenthalt am Union Theological Seminary in New York, an dem er viele neue Freunde gewinnt. Er erlebt hautnah die Rassendiskriminierung der Schwarzen in den USA mit und schmeißt altdeutsche Feindesbilder, die selbst er noch in sich trägt, über Bord, als er den Franzosen Jean Lasserre kennenlernt.
 

Nach seiner Rückkehr im Juni 1931 wird er Privatdozent und Hilfsprediger am Prenzlauer Berg in Berlin und Jugendsekretär des Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen. Bonhoeffer beteiligt sich am Aufbau einer kirchlichen Opposition gegen die Gleichschaltungsversuche des Staates, als 1933 Hitler an die Macht kommt. Im Oktober übernimmt er ein Pfarramt in London. Ein Jahr später nimmt er an der Ökumenischen Konferenz in Fanö teil.
 

Ab 1935 leitet Bonhoeffer das Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde bei Stettin. Dort bildet er junge Vikare nach seinen Grundsätzen aus. Mit dem ganzen Seminar reist er zu Studienzwecken 1936 nach Schweden. Bald darauf wird ihm die Lehrerlaubnis entzogen. 1937 wird das Predigerseminar durch die Gestapo geschlossen, jedoch arbeitet er in illegalen Sammelvikariaten weiter. Außerdem veröffentlicht er in diesem Jahr sein bekanntestes Buch "Nachfolge".
 

Bonhoeffer scheint Glück zu haben, als er 1939 eine Einladung zur Übernahme einer Gastdozentur in New York erhält. Doch lassen ihn Gewissensbisse gegenüber seinen zurückgebliebenen Mitstreitern schon drei Wochen später wieder nach Deutschland fahren. Zur großen Überraschung seiner Freunde und Verwandten tritt er 1940 in die staatliche Organisation "Abwehr" ein, um seinen Wehrdienst zu erfüllen. Dort beginnt er konspirative Tätigkeiten und fängt an zusammen mit seinem Schwager Hans von Dohnanyi und gedeckt durch Admiral Wilhelm Canaris den Umsturz zu planen. Der sonst so verschlossene Bonhoeffer "taut" in diesen Jahren immer mehr auf und verlobt sich 1943 sogar mit Maria von Wedemeyer. Im April wird er verhaftet, doch kann man ihm zunächst nicht Hoch-und Landesverrat anhängen, die Beweise sind zu gut verwischt. Im Wehrmachtsgefängnis Berlin-Tegel schreibt er Briefe und Aufzeichnungen, die 1951 als "Widerstand und Ergebung" herausgegeben werden.
 

Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler und dem Fund der "Zossener Akten" (u.a. Tagebücher von Canaris) wird Bonhoeffer in den Gestapokeller überführt. 1945 scheint er schon gerettet zu sein, als er aus dem KZ Buchenwald nach Schönberg abtransportiert wird. Doch kommt er kurze Zeit später in das KZ Flossenbürg, wo er einen Monat vor Ende des 2. Weltkrieges nach einem Schnellverfahren durch ein sogenanntes SS-Standgericht zusammen mit fünf weiteren Angehörigen seiner Widerstandsgruppe erhängt wird.

 

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2015 · Dietrich - Bonhoeffer - Gymnasium