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Ein geschenktes Jahr oder schneller zum Abitur -
Informationen zur „Erprobung eines achtjährigen
gymnasialen Bildungsganges in
Schleswig – Holstein“ ( G 8 – Modell)
Am 6.Dezember 2000, also am
Nikolaustag, gab die Bildungsministerin, Frau Ute Erdsiek-Rave, bekannt,
dass 11 Gymnasien in Schleswig – Holstein ab dem Schuljahr 2001/2002 an
einem Modellversuch teilnehmen werden, der statt in 9 Jahren schon in 8
Jahren zum Abitur führen soll. Unter den „Versuchsschulen“ befanden sich
auch die beiden Quickborner Gymnasien.
Die
Eltern und Lehrkräfte an den Grundschulen in dem jeweiligen
Einzugsgebiet der ausgewählten Schulen erhielten zu Beginn des neuen
Jahres ein Informationsblatt, das ausführlich über den Modellversuch
informierte.
Bei
der Entscheidung der Frage „Welche Schule für mein Kind ?“ wird es in
den Besprechungen der Entwicklungsberichte von Kindern, die eine
Gymnasialempfehlung erhalten sollen, zum ersten Mal auch darum gehen,
ob man den kürzeren Weg zum Abitur wagen soll oder lieber den „normalen
Weg“ wählt. Zur Vorbereitung dieser Entscheidung sollen die folgenden
Hinweise etwas Hilfestellung leisten. Sie wollen allerdings nicht der
notwendigen Beratung durch die Grundschullehrerinnen und – lehrer
vorgreifen, geschweige denn diese ersetzen.
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Die Möglichkeit , ein Jahr auf dem Weg zum Abitur zu
sparen, ist nicht neu. Denn hochbegabte und leistungsstarke
Schülerinnen und Schüler konnten schon immer eine Klassenstufe
überspringen. Nicht alle, die es sich leisten könnten, ergreifen
diese Chance. Möglicherweise auch deshalb, weil durch den
vielschichtigen und als „elitär“ verdächtigten Begriff
„Hochbegabung“ der Interessentenkreis bisher von vornherein
eingeschränkt wurde. Zudem werden als „hochbegabt“ im klassischen
Sinn allenfalls 2% eines gesamten Jahrgangs eingeschätzt. Für diese
Gruppe „Hochbegabter“ gab und gibt es sicherlich noch zu wenig
Förderungsmöglichkeiten an den Gymnasien, aber für sie allein hätte
es eines solch umfassenden Versuches, der in 8 Jahren zum Abitur
führen will, nicht bedurft.
Das G 8 – Modell greift deshalb weiter. Es will allen „schnell
lernenden Schülerinnen und Schüler mit einem breiten
Begabungsspektrum“ die Chance zu einem kürzeren Weg zum Abitur
geben.
Es wird schwierig sein, genau zu definieren, wer eigentlich zu
dieser Gruppe der „ schnell lernenden und breit begabten“
Schülerinnen und Schüler gehört. Denn Intelligenz definiert sich
nicht nur über Lerngeschwindigkeit und Auffassungsgabe, sondern
ebenso über Kreativität, Problemlösungsfähigkeiten, Interesse u.a..
Wichtig sind auch Konzentrationsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und
Gruppenverhalten.
Insgesamt will der G 8 – Versuch einen breiteren Kreis von
Schülerinnen und Schüler ansprechen, als es mit dem oft sehr eng
gefassten Begriff „Hochbegabung“ bisher möglich war. Vorsichtigen
Schätzungen zufolge könnte man durchaus das obere Drittel eines
„normalen“ Gymnasialjahrganges zum Kreis derjenigen Schülerinnen und
Schüler rechnen, mit denen der G 8 – Versuch erfolgreich
durchgeführt werden kann.
- Das G 8 – Modell bietet
zwar einen kürzeren Weg zum Abitur an, aber ein „Turbo-Abitur“ oder
ein „Abitur light“ wird es nicht geben. Konkret geht es darum, den
bisherigen Unterricht von 9 auf 8 Jahre zu komprimieren. Dies
geschieht durch die Erhöhung der Wochenstundenzahl vor allem in der
Sekundarstufe I (Vgl. Entwurf der Wochenstundenzahl). Bei der
Verteilung der Wochenstunden haben die Schulen jedoch einen gewissen
Spielraum, der es z.B. unserer Schule ermöglicht, in der Regel auf
Nachmittags- oder Samstagsunterricht in den Klassen 5 - 11 zu
verzichten. Quantitativ verkürzt das G 8 - Modell die
Jahreswochenstundenzahl bis zum Abitur nur um 9 Stunden. An Schulen
mit G 8 – und G 9 – Zügen werden die Schülerinnen und Schüler im
12. Jahrgang wieder gemeinsam unterrichtet und zum Abitur geführt,
bis dahin müssen die Voraussetzungen natürlich gleich sein. Das
bedeutet wiederum, dass es qualitativ keine Abstriche am Abitur
geben kann und geben wird.
- Das Dietrich – Bonhoeffer –
Gymnasium ist unter den Schulen genannt, die den G 8 –Versuch mit
einem ganzen Jahrgang beginnen dürften. Aufgrund der derzeitigen
Quickborner Gegebenheiten und der Ungewissheit bezüglich einer
flächendeckenden Verkürzung des Abiturs, haben wir in den
vergangenen Jahren meistens nur einen G8 - Zug einrichten können.
Mit der Ankündigung der Ministerin , die beiden Quickborner
Gymnasien an dem G 8 - Versuch zu beteiligen, sind bei manchen
Befürchtungen entstanden, die eigentlich unbegründet sind. Es war
weder damit zu rechnen, dass Quickborn nun von auswärtigen G 8 -
Interessenten überrannt wird, weil bis auf Barmstedt im weiten
Umkreis derzeit noch keine weiteren G 8 – Versuche beantragt wurden.
Noch werden die Chancen für G 9 – Gymnasiasten verschlechtert oder
die Übergangsmöglichkeiten von Realschülern auf das Gymnasium
erschwert. Es ist ein Versuch, auf den sich das
Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium eingestellt hat und eine Chance für
Quickborn.
- Die Entscheidung für den G
8 – Zweig bedarf sorgfältiger vorheriger Beratung und vielleicht
sogar der Ermutigung. Dazu sind die Kolleginnen und Kollegen an den
Grundschulen sicherlich gern bereit. Aber auch wir möchten bei
dieser Entscheidung mithelfen und bieten neben den allgemeinen
Informationsabenden auch Einzelberatungen an, für die im neuen Jahr
gern ein Termin vereinbart werden kann.
Vieles
ist in letzter Zeit über die Qualität der gymnasialen Bildung und über
die Notwendigkeit ihrer Verbesserung aus Gründen der
Konkurrenzfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt geschrieben und gesagt worden.
Das G 8 – Modell will dazu, wie die bundesweite Verbreitung zeigt,
sicherlich auch einen Beitrag leisten. In erster Linie sollte es jedoch
dazu dienen, unseren Kindern ein Jahr Lern- und Lebenszeit zu
schenken. Wir sollten den Mut aufbringen, ihnen die Mehranforderungen
des G 8 – Modells zuzutrauen.
Dr.M.Seidel
Schulleiter a.D.
Überarbeitete Fassung aus
06/2005
U.Hahn - G8 Koordinator |